Dienstag, 3. Februar 2015

Kleines Sternchen - Tabuthema Fehlgeburt

Heute wage ich es ein Tabu-Thema anzusprechen, da ich finde, dass es keinen Grund gibt, nicht darüber zu sprechen. Statistisch gesehen ist jede dritte Frau einmal davon betroffen, also viel zu viele, um darüber zu schweigen.

In diesen Tagen sollte ich unser drittes Kind in den Armen halten - doch es kam anders, als gewünscht.

Nachdem unsere erste Tochter auf der Welt war und ein wie ich jeweils sage, ein "Einsteiger-Baby" war, wollten wir ganz schnell noch ein Baby und nach neun Monaten war ich wieder schwanger. Unsere Kleine war dann aber etwas anspruchsvoller, so dass wir uns mit dem Entscheid - ein drittes Kind - ja oder nein diesmal etwas mehr Zeit liessen. Als sie jährig wurde und sich alles eingependelt hatte, war klar -  doch, wir wollen ein drittes Kind. Kurze Zeit später hielt ich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Die Freude war gross - alles wie geplant.

Der erste Arzttermin stand an und alles war ok, den Herzschlag konnte man schon sehen. Im Nachhinein hatte ich vielleicht schon eine Vorahnung oder das Gefühl, dass diesmal etwas anders sein könnte. Bei der Vereinbarung des nächsten Termins, bei welchem das Ersttrimesterscreening (Risikoermittlung für Trisomie) durchgeführt werden sollte, entschloss ich mich gegen einen Bluttest, diesen hatten wir in beiden vorherigen Schwangerschaften machen lassen. Aber in diesem Moment fand ich das überflüssig, da wir höchstwahrscheinlich bei einem schlechten Ergebnis, keine Konsequenzen hätten ziehen können / wollen... Bei den vorherigen Schwangerschaften machten wir den Bluttest "standardmässig" und vielleicht auch etwas leichtsinnig, in der Überzeugung, dass ja sowieso alles in Ordnung ist.

Diesmal wusste auch niemand von meiner Schwangerschaft, ausser bei mir im Büro. Der Zufall wollte es, dass wir genau in dieser Zeit ein Geschäftsessen hatten und da ich auf das Gläschen zum Anstossen verzichtete, war der Fall schon klar... Sonst hatte ich jeweils kein Geheimnis darum gemacht und allen schon vor Ablauf der 12 Wochen davon erzählt, diesmal wollten wir erst nach dem nächsten Termin davon erzählen.

In der 9. Schwangerschaftswoche bekam ich leichte Blutungen und rief meine Ärztin für einen Check an.
Als das Ultraschallbild auf dem Bildschirm erschien, wusste ich, dass ich unser Baby nie in den Armen halten werde. Die Ärztin brauchte nichts zu sagen, es war klar, dass da kein Herz mehr schlägt und dass das Ultraschallbild nicht das zeigte, was es eigentlich müsste.

Gerade als ich aus dem Gebäude trat, fing es an zu regnen wie aus Kübeln. Ich setzte mich ins Auto und weinte und während der Heimfahrt entlud sich ein riesiges Sommergewitter. Es blitzte, donnerte, und es regnete so stark, dass der Scheibenwischer auf höchster Stufe den Regen kaum zu bekämpfen mochte - und es tat gut, dass es regnete -  ich war froh darüber... Irgendwie erinnerte es mich an die Geburt meiner ersten Tochter, während der Geburt herrschte eine so spezielle Wetterstimmung, dass die Hebamme meinte, draussen sehe es aus, wie beim Weltuntergang. Ein Kreis schloss sich.

Während der Heimfahrt wurden die Gefühle Hilflosigkeit, Verlust, Trauer auch immer mehr begleitet von einer grossen, riesengrossen Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass zu Hause mein Mann auf mich wartet, meine beiden Kinder, Dankbarkeit, dass ich zwei komplikationslose Schwangerschaften und zwei sehr schöne Geburten erleben durfte. Dankbarkeit für all diese Geschenke, die man manchmal als normal betrachtet.

Kleines Sternchen -  ich denk an dich...






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